Siegfried Frühauf - What comes around goes around

Part of Leo Schatzl´s series of intermedia workshops
Uben, Onten, Rinks und Lechts

Raum - er definiert sich in Länge, Breite und Höhe, für uns selbstverständlich begreifen wir ihn geteilt in Oben und Unten. In Grundrissen, Aufrissen und verschiedensten Arten der Perspektive versucht man ihn darzusstellen. Neue Erfahrungsmöglichkeiten bietet uns der Computer, welcher es ermöglicht, Raum nicht mehr als „real” wahrnehmen zu müssen, sondern virtuelle Welten können konstruiert werden. Welten durch die wir uns, scheinbar losgelöst von Schwerkraft und körperlichen Behinderungen, bewegen können. Diese uneingeschränkte Mobilität ist natürlich nur scheinbar. Der Akteur, welcher sich in solchen Installationen befindet, bewegt sich, vom außen stehenden Betrachter gesehen, keinen Schritt im realen Raum. Das Verhältnis, zwischen Raum und Akteur, wird einfach umgekehrt. Nicht die agierende Person hat sich zu bewegen, sondern der Raum. Virtueller Raum wird, nach den gegebenen Anweisungen, um die betreffende Person herum, verschoben.
Mit dieser Feststellung versucht der 2D-Raumscanner, Raum erfahrbar zu machen. Realer statischer Raum wird durch dieses Objekt, zur sich ständig in Bewegung befindenden Umgebung, während der Betrachter (die Kamera) zu einem still stehenden Punkt in der Mitte des Bildes wird. Die Kamera schließt sich und den gesamten Apparat dabei nicht von der Beobachtung aus. Sie wird nicht zum unsichtbaren, objektiven Betrachter - im Gegenteil zum klassischen Kino, das immer versucht die Produktionsmittel und das Dahinter zu verbergen. Die gesamte Apparatur begreift sich selbst als Teil des sie umgebenden Raumes. Der Beobachter wird gleichzeitig zum Beobachteten. Er sieht sich selbst dabei zu, was um ihn herum geschieht.

Der extreme Weitwinkel, welchen eine Spiegelkugel liefert, kombiniert mit der Gleichzeitigkeit der Drehung des Betrachters und seines Spiegelbildes in zwei verschiedenen Richtungen (achsial und radial), vernichtet Raum wie wir ihn kennen und gewohnt sind wahrzunehmen. Oben, Unten, Links und Rechts verlieren ihre Bedeutung und können höchstens noch in nichts sagende Orientierungshilfen wie Uben, Onten, Rinks und Lechts umgewandelt werden - ein längeres persönliches Anliegen, die festgefahrene Ordnung, mit der wir versuchen unsere Welt wahrzunehmen, aufzuheben. Raum besteht nicht länger aus Länge, Breite und Höhe sondern aus Bewegung und Verzerrung jeder heute noch zu geraden Linie. Mit den Möglichkeiten die uns virtuelle Welten bieten, besteht auch keine Notwendigkeit mehr, Raum so zu sehen, wie wir es gewohnt waren. Vielleicht ein Versuch allgemeine Ordnungs- und Wahrnehmungs-systeme abzuwerfen, wie einst die Luftfahrtpioniere Ballast abwarfen um sich frei in in die Lüfte (den Raum) zu begeben.
Example Images Time´s Up