Logbucheintragung, 15. Mai 1997




 

Heute bekam ich die letzten Teile, die ich brauchte um das langersehnte Vorhaben, die Tiefen des Hafenbeckens zu erkunden, durchzuführen. Eine leichte Brise von Südsüdwest und klarer Himmel schienen mir als ideale Voraussetzungen.
Christof und Tina, die auch anwesend waren sollten sich erst später Ihrer Rolle als Zeitzeugen dieses Experimentes bewußt werden.
Bis zu diesem Punkt verlief auch noch alles nach Plan.

Das kleine Boot, das ich damals vor circa zehn Jahren gebaut und mit zwei Bohrmaschinenmotoren ausgestattet habe erwies sich im Trockentest noch als aüßerst verläßlich.
Jeder Befehl von der Fernsteuerung wurde tadellos durchgeführt. Die absenkbare Videokamera, die die Aufgabe hatte, die Bilder von den Tiefen dann via Sender an Land zu funken war ebenfalls voll einsatzbereit, wurde aber von mir wie von einem inneren Instinkt geleitet, noch nicht montiert.

Christof geleitete mich noch die schroffe Felsküste hinunter.
Dort setzte ich vorsichtig den Rumpf ins Wasser.
Leichte Wogen brachten ihn in dezentes Schaukeln, die mir wie freudige Ungeduld vorkam.

Souverän traten die beiden Motore ihren Dienst an, als mein Daumen den Steuerhebel in `Volle Kraft Voraus'-Stellung brachte.
Nach einigen rasanten Runden stellten sich erste Anzeichen eines Übertragungsproblems ein. Doch als ich um Schlimmes zu vermeiden, den Retourkurs einschlagen wollte, quittierte der Sender vollends seine Funktion.

Wie mit dem Teufel muß es zugegangen sein, daß wieder ein Signal empfangen wurde als der Hebel gerade in Voll- Rückwärts-Stellung war. Ich bemerkte noch leichten Wassereintritt am Heck, doch ehe ich handeln konnte war schon der gesamte Rumpf geflutet, und die Wassermassen rissen das trotz durch PU-Schaum- Technik eigentlich unsinkbare Schiff in sekundenschnelle in die dunklen Tiefen.

Sofort riß ich mir die Kleider vom Leib und machte einen kühnen Sprung zur Unglücksstelle hin, doch zu spät...

Auch eine unverzüglich eingeleitete Video-Suchaktion blieb ohne Erfolg.

Tief im Hafenbecken, wohl von wildwüchsigen Algen umschlungen, liegt seit jenem Tage dieser mein Versuch begraben.

Doch falls eines Tages ein furchtloser Taucher sich aufmacht das Wrack zu bergen, und es paßt zu dem an Land gebliebenen Deck, so will ich ihm gerne zum Danke ein Faß Rum schenken.